Nährboden für lebendige Traditionen der Schweiz


Fonds Landschaft Schweiz (FLS): Bulletin Nr. 40, Juli 2012

Editorial: Lebendige Traditionen nicht sterben lassen

Die kulturelle Vielfalt der Schweiz ist einmalig. Inmitten Europas liegt unser Land im Schnittpunkt verschiedener Kulturen. Die vier Sprachen sind das eine, aber bei weitem nicht das einzige. Auch unsere traditionelle Baukultur, die unterschiedlichen Wohn- und Wirtschaftsformen, das Klima, die Topografie sind so abwechslungsreich wie kaum an einem anderen Ort. Hunderttausende von Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt wollen diese Pracht mit eigenen Augen sehen. Bilderbuchprospekte der Touristenorte zeigen intakte Natur. UNESCO-Welterbe und -Biosphäre sind zu Labels geworden, um die man sich reisst. Unsere Natur ist über Jahr- hunderte, von unzähligen Menschen, in abertausenden Stunden, zur heutigen Kulturlandschaft geformt worden. Nicht zum Vergnügen, sondern zum Überleben. Dahinter steht das Handwerk in seiner ganzen Vielfalt und seiner ausgeklügelten Raffinesse. Die Schweiz hat 2008 das UNESCO-Übereinkommen «zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes » ratifiziert und sich damit verpflichtet, dieses Erbe zu inventarisieren. Dazu haben Bund und Kantone die «Liste der lebendigen Traditionen» erstellt. Schön und recht, aber was nützt’s, wenn keine Massnahmen zur Erhaltung dieser Traditionen getroffen werden? Die Mechanisierung führte zu einem dramatischen Verlust an handwerklichem Können in allen Bereichen. Es ist höchste Zeit, dieses Wissen nicht nur zu inventarisieren, sondern auch Rahmenbedingen zu schaffen, um das Knowhow zu erhalten und weiter zu geben, von Mensch zu Mensch, von Generation zu Generation. Der Fonds Landschaft Schweiz FLS trägt mit vielen seiner Projekte wesentlich zu diesem Wissenstransfer bei, z. B. mit der Unterstützung von Unterhalts- und Reparaturarbeiten an Trockenmauern, Wegpflästerungen, Stein- und Schindeldächern. Dazu braucht es aber vor Ort initiative Menschen, Gemeinwesen und Institutionen, die Projekte initiieren und zu einem guten Abschluss bringen. Ihnen sei ein spezielles Kränzchen gewunden. Herzlichen Dank!

 

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