Graubünden


Graubünden ist der einzige dreisprachige Kanton der Schweiz und kulturell sehr vielfältig. «Eine eigene Schweiz in der Schweiz» sei Graubünden, stellte der Schriftsteller und Politiker Heinrich Zschokke Mitte des 19. Jahrhunderts treffend fest. Graubünden ist mit seinen 150 Tälern flächenmässig zwar der grösste, mit rund 192'600 Einwohnerinnen und Einwohnern zugleich aber auch der am dünnsten besiedelte Kanton. In der Hauptstadt Chur leben rund 36'000 Personen.

Lebendige Traditionen in Graubünden

Als lebendige Traditionen gelten Praktiken, Ausdrucksweisen, Kenntnisse und Fähigkeiten, die von einer Generation an die nächste weiter gegeben und von Gemeinschaften als Bestandteil ihres Kulturerbes angesehen werden. Dazu gehören mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksweisen wie Gesang, Sagen oder Märchen, darstellende Künste wie Theater, Tanz und Musik, gesellschaftliche Praktiken wie Bräuche, Rituale und Feste sowie traditionelles Fachwissen. Es war ein Anliegen, in einem ersten Schritt die kulturelle Vielfalt im Kanton Graubünden in ihrer Gesamtheit zu erfassen und dabei ein Panorama der kulturellen Ausdrucksformen zu präsentieren. In einem zweiten Schritt ging es darum, Beispiele von immateriellem Kulturerbe zu identifizieren, die von historischer Relevanz sind, Alleinstellungsmerkmale besitzen und für die Bevölkerung im Kanton Graubünden einen hohen Wiedererkennungsgrad beanspruchen können.

Das in der Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz berücksichtigte immaterielle Kulturerbe sind der Chalandamarz im Engadin, das Kartenspiel Troccas in der Surselva, das Scheibenschlagen, die Schlagballspiele Hürnen und Mazzacula, der Fasnachtsbrauch Pschuuri in Splügen, die Churer Maiensässfahrt, die «caldarrostai e castanicoltura» in Südbünden sowie das Dreikönigs- und Sternsingen. Weitere lebendige Traditionen sind unter anderem das Altjahrssingen, die Schlitteda, die Karfreitagsprozessionen, die Fronleichnamsprozessionen oder der Bündner Kreuzstich.

Die Kulturförderung des Kantons Graubünden basiert auf dem Gesetz über die Förderung der Kultur (Kulturförderungsgesetz, KFG; BR 494.300) und in der Verordnung zum Gesetz über die Förderung der Kultur (Kulturförderungsverordnung, KFV; BR 494.310). Der Kanton setzt sich ein für ein vielfältiges kulturelles Leben und eine lebendige Auseinandersetzung mit den gelebten Traditionen. Neben der subsidiären Unterstützung der kulturellen Vielfalt, beinhaltet dies auch die Kulturpflege, die Kulturvermittlung und den Erhalt und die Förderung der kantonalen Dreisprachigkeit. Auf staatlicher Seite hat das Rätische Museum, das Staatsarchiv Graubünden und die Kantonsbibliothek Graubünden unter anderem den Auftrag zur Dokumentation und Bewahrung immateriellen Kulturerbes. Weitere wichtige Arbeit im Bereich des immateriellen Kulturerbes leisten Vereine, Gruppierungen oder anderweitige private Trägerschaften und Institutionen.

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