Jura


Der Kanton Jura, der nur wenige Städte aufweist, hat sich seinen ländlichen Charakter weitgehend bewahrt. Daher sind seine vielfältigen Traditionen auch heute noch sehr lebendig. Sie sind Ausdruck einer besonderen Verbundenheit mit der Natur und dem Wechsel der Jahreszeiten, aber auch mit den besonderen Fertigkeiten, die von den Handwerkern der Region über die Jahrhunderte entwickelt wurden. Eine Besonderheit der Gegend ist ihr atypisches sprachliches Erbe: Der Jura ist der einzige Schweizer Kanton, dessen Dialekt zur Oïl-Sprache zählt. Von dieser Sprache, die auch in der angrenzenden Franche-Comté gesprochen wird, bestehen verschiedene Varianten. Sie gehört zu den romanischen Sprachen, die ursprünglich im Norden Galliens unter keltischem und germanischem Einfluss entstanden sind. Im Bestreben, diese sprachliche Vielfalt zu bewahren, wurde unter anderem eine Website geschaffen («Djâsans - Patois Jurassien»). Sie enthält Vorschläge für Aktivitäten und eine Sammlung von Wörterbüchern, um die Weitergabe dieses Wissens sicherzustellen, aber auch zahlreiche Märchen, Lieder und weitere interessante Informationen.

Allgemein setzen sich verschiedene private und öffentliche Stellen für die Erhaltung der regionalen Kultur ein. Der Kanton Jura beteiligt sich daran, indem er gestützt auf Artikel 42.2 der Kantonsverfassung Beiträge gewährt. Dieser Artikel sieht vor, dass der Kanton und die Gemeinden für die Erhaltung, Erweiterung und Nutzung des jurassischen Kulturerbes, vor allem des Dialekts, sorgen und dazu beitragen. In diesem Bereich ist das kantonale Amt für Kultur zuständig.

Ein Jahreslauf im Rhythmus der Traditionen

Viele jurassische Sitten und Gebräuche stehen in Verbindung mit den kirchlichen Feiertagen und den Jahreszeiten. Der bewegte Jahreslauf wird mit den Neujahrswünschen eingeleitet, auf die schon bald die Glückwünsche zum Dreikönigstag folgen, die von den Kindern überbracht werden. Kurze Zeit später bringt der Karneval Stimmung in die Dörfer: In Le Noirmont und in den Freibergen wird sie als «Carimentran», andernorts als «Brandons» gefeiert. Dann sind die berühmten 1.-April-Scherze an der Reihe. Die anschliessenden Osterfesttage sind sowohl in religiöser Hinsicht als auch in Bezug auf ihre Frühlingsbräuche lebendig geblieben. Sechzig Tage nach Ostern wird Fronleichnam begangen: Dieser Feiertag erinnert an die leibliche Gegenwart von Christus im Sakrament und die Wandlung von Brot und Wein.

Ebenfalls im Frühling feiert Delsberg die überlieferte «Danse sur la Doux» mit Strassenmarkt und zahlreichen Bistro-Ständen in den Gassen und auf den Plätzen, während Pruntrut seinen Strassenmarkt, die «Braderie», im Herbst durchführt. Nach Abschluss der Arbeiten auf dem Feld folgt jeweils das Martinsfest mit seinen Schlemmereien. Es erinnert daran, dass die Bauern traditionell in der ersten Novemberhälfte ein Schwein schlachteten. Mit dem einsetzenden Winter naht schliesslich das Nikolausfest mit seinen Geschenken und Umzügen, bevor sich mit Weihnachten der Jahreskreis schliesst.

Rund ums Jahr finden im Jura auch zahlreiche Blasmusikfestivals sowie mehrere Feste der «Céciliennes» statt, für die jeweils verschiedene Kirchenchöre zusammenkommen. Diese kulturelle Dynamik und der enge Bezug zu den Jahreszeiten, der in ihr zum Ausdruck kommt, sind die prägenden Merkmale der traditionellen Identität der Region. Die Jurassierinnen und Jurassier, die der Natur sehr nahestehen, haben sich zur Heilung oder Linderung bestimmter Krankheiten, vor allem von Verbrennungen, Warzen und Kopfschmerzen, seit jeher auf Heiler verlassen und diese Praxis nie aufgegeben.

Vielfältige Fertigkeiten

Die jurassischen Traditionen stehen auch in Verbindung mit verschiedenen Fertigkeiten, die das Kennzeichen eines ebenso vielseitigen wie mannigfaltigen Handwerks sind. Dazu zählt selbstverständlich die Uhrmacherkunst, der Eckstein der regionalen Industrie. Sie bildet die Grundlage für zahlreiche technische und künstlerische Berufe: vom Designer über die Spezialisten für Email-, Perlmutt- und Edelsteinarbeiten bis zum Uhrmachermeister. Auf das hohe Ansehen, das die Uhrmacherei ausserhalb der Schweizer Grenzen geniesst, sind nicht nur diese Berufsleute, sondern die gesamte Bevölkerung der Region stolz.

Der Jura ist auch die Wiege der letzten Schweizer Pferderasse: Hier wird der Freiberger gezüchtet, ein mittelgrosses Pferd, das für seinen fügsamen Charakter bekannt ist. Es ist der letzte Vertreter des leichten Zugpferds in Westeuropa. Auf dieser Tradition, die in den Freibergen seit dem 17. Jahrhundert verbürgt ist, beruhen auch heute noch viele Berufe, Bräuche und Veranstaltungen.

Andere Gegenden wie das Val Terbi und die Haute-Ajoie eignen sich für den Anbau von Obstbäumen. Aus La Baroche stammt die berühmte Damassine: Dieser Schnaps, dessen Herstellung ganz besondere Fähigkeiten verlangt, betört mit dem warmen Duft und Geschmack von wilden Pflaumen, krautigen Noten und einem Hauch Bittermandel.

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