Hürna und Mazza Cula


Kategorie:
Gesellschaftliche Praktiken
Kanton:

Beschreibung

Mit «Hürna» wird eine einfache Form des Spiels Hornussen bezeichnet, wie es nur im Prättigauer Dorf Furna praktiziert wird. Die Spieler schleudern den «Huri» (hölzerne Spielscheibe) mit einer Haselrute als Schlagstock von der Schlaglatte. Die Fänger stoppen den Huri mit Fangschindeln in der Luft. Jeder Huri, der nicht abgefangen wird, zählt ein «Gutes», jeder Treffer des Körpers eines Gegenspielers zwei «Gute».

Das Spiel «Mazza Cula» ist eine Art «Alpengolf» und wurde in Masein am Heinzenberg vor etwa vierzig Jahren von zugezogenen Leuten aus Tschappina eingeführt. Die «Mazza» (Schlagstock) besteht aus einem Holzstecken mit einem Holzkolben an der Spitze. Als «Cula» (Kugel) wird eine gefärbte hölzerne Strumpfkugel von 5 cm Durchmesser verwendet. Zwei Mannschaften mit je zwei bis drei Personen spielen gegeneinander. Das Ziel ist kein Loch, sondern ein Stein, ein Baum oder eine Stange. Jene Mannschaft, die mit weniger Schlägen das Ziel trifft, erhält einen Punkt. Die Verlierer bezahlen den Siegern pro Punkt Vorsprung 20 Rappen.

Sowohl Hürna als auch Mazza Cula werden im Frühling nach der Schneeschmelze und im Herbst nach dem Abweiden gespielt. Die Hürner und die Mazza-Cula-Spieler sind nicht in einem Verein organisiert. Spieler sind einheimische Burschen und Männer aus Furna bzw. Masein und Flerden, darunter auch «Heimwehbündner», die von auswärts kommen. Je nach Lust und Wetter treffen sich die Spieler am Sonntagnachmittag oder an einem Feiertag auf dem Spielfeld.

Bildergalerie

  • Hürna: Der «Huri» ist auf der Schlaglatte fixiert © Heidi Wyss
  • Hürna: Mit dem Huristecken wird der Huri ins Zielfeld geschlagen © Heidi Wyss
  • Hürna: Die Fänger werfen die Schindeln in die Luft © Heidi Wyss
  • Hürna: Abwehr mit der Schindel in der Hand © Heidi Wyss
  • Mazza Cula: Die Cula (Kugel) wird mit der Mazza (Kolben) geschlagen © Mathias Kunfermann/demateo AG, 2011
  • Mazza Cula: Kurzer Schlag in Zielnähe © Mathias Kunfermann/demateo AG, 2011
  • Mazza Cula: Der Parcour ist variantenreich © Mathias Kunfermann/demateo AG, 2011
  • Mazza Cula: Pause in Flerden © Silvia Conzett, 2011
  • Mazza Cula: Nächstes Ziel ist eine Tanne © Silvia Conzett, 2011
  • Mazza Cula: Neugierige Begleiter auf dem Spielfeld © Silvia Conzett, 2011
  • Hürna: Der «Huri» ist auf der Schlaglatte fixiert © Heidi Wyss
  • Hürna: Mit dem Huristecken wird der Huri ins Zielfeld geschlagen © Heidi Wyss
  • Hürna: Die Fänger werfen die Schindeln in die Luft © Heidi Wyss
  • Hürna: Abwehr mit der Schindel in der Hand © Heidi Wyss
  • Mazza Cula: Die Cula (Kugel) wird mit der Mazza (Kolben) geschlagen © Mathias Kunfermann/demateo AG, 2011
  • Mazza Cula: Kurzer Schlag in Zielnähe © Mathias Kunfermann/demateo AG, 2011
  • Mazza Cula: Der Parcour ist variantenreich © Mathias Kunfermann/demateo AG, 2011
  • Mazza Cula: Pause in Flerden © Silvia Conzett, 2011
  • Mazza Cula: Nächstes Ziel ist eine Tanne © Silvia Conzett, 2011
  • Mazza Cula: Neugierige Begleiter auf dem Spielfeld © Silvia Conzett, 2011

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Hürnä in Furna, ein altes Volksspiel aus alter Zeit. Broschüre der Furner Hürner. Furna, 2003

  • Johann Baptist Masüger: Leibesübungen in Graubünden einst und heute. Chur, 1946

  • Johann Baptist Masüger: «Mazza», das Männerspiel der Rätoromanen. In: Bündner Kalender 118. Chur, 1959

  • Mazzaschlagen. In: Atlas der schweizerischen Volkskunde. Basel, 1950-1995

  • Mazzaspiel. In: Dicziunari Rumantsch Grischun (ungedrucktes Manuskript). Chur 1938-

  • Barbara Paz Soldan: Spiel mit Stock und Kugel. Ein alter Spielbrauch lebt am Heinzenberg wieder auf. In: Bündner Woche, 13. April 2005

  • Kurt Wanner: Hürna in Furna. In: Mitteilungen der Walservereinigung Graubünden no. 36. Chur, 1997

Dossier