Kräuterwissen in Zentralschweizer Frauenklöstern


Beschreibung

In elf Frauenklöstern der Zentralschweiz unterhalten die Schwestern einen eigenen Kräutergarten. Auch wenn sich die einzelnen Anlagen in Grösse und Bepflanzung unterscheiden und deren Pflegerinnen verschiedenen Orden angehören, lässt sich die Substanz dieser Gärten nur in übergeordneten kulturhistorischen Dimensionen fassen. Als Benedikt von Nursia um das Jahr 527 auf dem Monte Cassino in Süditalien ein Kloster gründete, verpflichtete er die Mönche zur Krankenpflege und sah zu diesem Zweck auch entsprechendes Personal und Infrastruktur vor. Weil die Benediktiner ab dem 8. Jahrhundert zu den führenden Ordensgemeinschaften in der Kirche zählten, verbreitete sich ihre – auf die antike Lehre zurückgehende – Arzneimittelkunde nicht nur auf dem ganzen europäischen Kontinent, sondern formte überhaupt während dem gesamten Mittelalter das abendländische Medizinalwesen. Der klösterliche Kräutergarten spielte in diesem System als Lieferant von essentiellen Ingredienzien von Anfang an eine zentrale Rolle. In der Zentralschweiz tradieren und pflegen insbesondere die Frauenkonvente bis heute das Wissen und die Praxis des Pflanzens, Erntens und Verarbeitens von Heilkräutern. Dies kann nebst dem Unterhalt eines artenreichen Gartens auch eine intensive Sammeltätigkeit auf Alpenwiesen umfassen. Alle Klöster unterhalten einen Laden, über den die selbst hergestellten Kräuterprodukte vertrieben werden.

Bildergalerie

  • Kloster Heiligkreuz in Cham (ZG): Blick auf den Kräutergarten, 2011 © Sr. Laetitia Kuhn/Kloster Heiligkreuz, Cham
  • Kloster Heiligkreuz, Cham (ZG): Sr. Theresita Blunschi, Leiterin des Klostergartens, sammelt Kräuter, 2009 © Esther Herzog, Luzern/Kloster Heiligkreuz, Cham
  • Kloster Heiligkreuz, Cham (ZG): Kräuterbeete im Garten, 2009 © Esther Herzog, Luzern/Kloster Heiligkreuz, Cham
  • Musenalp: Schwester M. Brigitta Graf vom Benediktinerinnenkloster Maria-Rickenbach (NW) schneidet Kräuter, 2006 © Urs Flüeler, Stans
  • Musenalp: Schwestern bringen mit Kräuter gefüllte Leinensäcke ins Kloster Maria-Rickenbach (NW), 2006 © Urs Flüeler, Stans
  • Kloster Maria-Rickenbach (NW): Abfüllen des nach geheimer Kräuterrezeptur gebrannten «Goldlikörs», 2006 © Urs Flüeler, Stans
  • Kloster Heiligkreuz in Cham (ZG): Blick auf den Kräutergarten, 2011 © Sr. Laetitia Kuhn/Kloster Heiligkreuz, Cham
  • Kloster Heiligkreuz, Cham (ZG): Sr. Theresita Blunschi, Leiterin des Klostergartens, sammelt Kräuter, 2009 © Esther Herzog, Luzern/Kloster Heiligkreuz, Cham
  • Kloster Heiligkreuz, Cham (ZG): Kräuterbeete im Garten, 2009 © Esther Herzog, Luzern/Kloster Heiligkreuz, Cham
  • Musenalp: Schwester M. Brigitta Graf vom Benediktinerinnenkloster Maria-Rickenbach (NW) schneidet Kräuter, 2006 © Urs Flüeler, Stans
  • Musenalp: Schwestern bringen mit Kräuter gefüllte Leinensäcke ins Kloster Maria-Rickenbach (NW), 2006 © Urs Flüeler, Stans
  • Kloster Maria-Rickenbach (NW): Abfüllen des nach geheimer Kräuterrezeptur gebrannten «Goldlikörs», 2006 © Urs Flüeler, Stans

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Irène David: Der Klostergarten von Heiligkreuz bei Cham. Geschichtlicher Kontext und heutige Aufgabe. Abschlussarbeit im CAS-Studiengang Ethnobotanik und Ethnomedizin an der Universität Zürich. Zürich, 2008

  • Moritz Jäger: Hundert Jahre Benediktinerinnen-Kloster Marienburg Wikon LU 1891-1991. Ed. Benediktinerinnen-Kloster Marienburg. Wikon, 1991

  • Elisabeth Odermatt Niederberger: Kräuter und Liköre aus der Herrgotts-Apotheke. In: Das Benediktinerinnen-Kloster Maria-Rickenbach in Geschichte und Gegenwart. Ed. Historischer Verein Nidwalden. Stans, 2007, p. 273-291

  • Hermann Josef Roth et al.: Klostergärten und klösterliche Kulturlandschaften. Historische Aspekte und aktuelle Fragen. München, 2009

  • Margrit Rosa Schmid: Frauenkloster in der Au bei Einsiedeln. Benediktinerinnenkloster mit Ewiger Anbetung. Einsiedeln, 2005

  • Rudolf Schmitz: Geschichte der Pharmazie. Eschborn, 1998-2005

  • François Ledermann, Michel Roux: Heilkräuter. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Bern, 2010 (http://hls-dhs-dss.ch/textes/d/D26235.php)

Dossier