Wetter- und Klimawissen


Beschreibung

Im Zeitalter der wissenschaftlich betriebenen Wettervorhersagen und Klimaanalysen sind die Bauernregeln zu einem Stück Folklore geworden. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht irgendwo am Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung ein altüberlieferter Reimspruch über die vermeintlichen Gesetzmässigkeiten der Wetterentwicklung zum Besten gegeben wird. Diese Weisheiten verweisen zwar durchaus auf traditionelle bäuerliche Erfahrungs- und Wissensbestände, sind aber ebenso sehr als literarische Ausdrucksformen zu verstehen, die nicht unwesentlich vom Zeitgeist der Romantik geprägt sind. Neben der bürgerlichen Stilisierung der bäuerlichen Wetterkunde gab es aber immer auch eine populäre Praxis der Wetterdeutungen. Sie entsprang dem essenziellen Bedürfnis nach Berechenbarkeit und Planbarkeit landwirtschaftlicher Verrichtungen und beschränkte sich meist auf den – wörtlich zu verstehenden – lokalen Horizont. Schriftlichen, allerdings nicht immer ungefilterten Niederschlag fand sie vor allem in den Volkskalendern. Bis heute lassen sich viele Landleute in der Zentralschweiz nicht davon abhalten, ihre eigenen Beobachtungen und Prognosen zu Wetter und Klima anzustellen – der Allgegenwart medialer Wetterberichte und der Leistungsfähigkeit professioneller Wetterdienste zum Trotz. Dabei halten sie sich an die ihnen bekannte Umgebung mit ihrer Flora, Fauna und ihren Naturphänomenen: Morgen- und Abendrot, Wolkenzüge, Tierverhalten oder Wetterfühligkeit dienen als Indikatoren. Auch liegt so manches «Wätterbüechli» in den Stuben parat, um regelmässig mit Daten angereichert zu werden.

Bildergalerie

  • Ein von Hand geführtes «Wätterbüächli», wie sie in Zentralschweizer Haushalten öfters vorkommen, 2012 © Christof Hirtler, Altdorf,
  • Doppelseite aus dem «Neuen Bauernkalenders» mit Tagesheiligen des Monats Dezember, 19. Jahrhundert © Christof Hirtler, Altdorf
  • Innerschwyzer «Wetterschmöcker» während der Dreharbeiten zum Film von Thomas Horat, 2010 © Andreas Roovers, Wädenswil/Mythenfilm, Brunnen
  • Die Wolkenzüge über den Bergen im Blickpunkt der Wetterbeobachter © Marius Risi, Engelberg
  • «Hat der Pilatus einen Hut, so bleibt das Wetter gut; trägt er einen Degen, gibt es sicher Regen», Pilatus mit Hut, 31. Juli 2012 © Marius Risi, Engelberg
  • Ein von Hand geführtes «Wätterbüächli», wie sie in Zentralschweizer Haushalten öfters vorkommen, 2012 © Christof Hirtler, Altdorf
  • Doppelseite aus dem «Neuen Bauernkalenders» mit Tagesheiligen des Monats Dezember, 19. Jahrhundert © Christof Hirtler, Altdorf
  • Innerschwyzer «Wetterschmöcker» während der Dreharbeiten zum Film von Thomas Horat, 2010 © Andreas Roovers, Wädenswil/Mythenfilm, Brunnen
  • Die Wolkenzüge über den Bergen im Blickpunkt der Wetterbeobachter © Marius Risi, Engelberg
  • «Hat der Pilatus einen Hut, so bleibt das Wetter gut; trägt er einen Degen, gibt es sicher Regen», Pilatus mit Hut, 31. Juli 2012 © Marius Risi, Engelberg

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Albert Hauser: Bauernregeln. Eine schweizerische Sammlung. Zürich, 1973

  • Thomas Horat: Wätterschmöcker. Ein Film von Thomas Horat. Ed. Mythen Film. Brunnen, 2011 (DVD)

  • Kurt Lussi: Wind und Wetter. Die bäuerliche Wettervorhersage und Unwetterabwehr. Wollerau, 1994

  • Thomas Renggli: Der Wetterschmöcker. Martin Horat und die Muotathaler Propheten. Lenzburg, 2013

  • Rudolf Schenda: Hinkende Botschaften? Zur Entwicklung und Bedeutung der schweizerischen Volkskalender. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 92. Basel, 1996, p. 161-181

  • Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (Ed.): Atlas der Schweizerischen Volkskunde. Teil II, Lieferung 8, Frage 140. Basel, 1995

  • Hans Steinegger: Zur Entwicklung der Bauernregeln aus dem Kanton Schwyz. In: Schwyzer Kalender 2000. Ibach, 1999, p. 50-55

Dossier